M/S Liebenfels

DDG Hansa Bremen
Juli 1967

Huldigung an Thetis

Nachdem wir gehorsam unser Gebet verrichtet haben, werden wir der ebenfalls anwesenden lieblichen Tochter Neptuns, Thetis, vorgestellt. Thetis (es ist der Offiziersanwärter mit einer widerlich aussehenden blonden Perücke aus Hanf), thront neben dem Meeresgott und lächelt uns huldvoll entgegen. Vor ihr haben wir nun niederzuknien. Langsam und salbungsvoll spricht der Pastor weiter:


m nun der Sitte zu genügen, habt ihr noch das Spezialvergnügen,
der Thetis, dieser lieblich-tollen, gebührend den Tribut zu zollen.

Denn ohne Thetis' gutes Wort wärt ihr jetzt nicht an diesem Ort!
Ihr würdet vielmehr, tut's beachten, im Kerker Eure Zeit verschmachten!

Doch Thetis, diese holde Fee, stieg heut' empor aus tiefer See,
um Euch, wie wir es alle wollen, in Neptuns Tiefsee-Reich zu holen.

So ist es billig nur und richtig, und außerdem besonders wichtig,
daß man sie tüchtig ehrt dafür!
So fallt denn hin, und küsset ihr, tut's auch vielleicht ein bißchen weh,
vom rechten Fuß den großen Zeh!

 

Wie beschrieben dürfen wir Täuflinge der lieblichen Thetis den rechten großen Zeh küssen. Diese Tatsache allein wäre noch kein Grund zur Unruhe. Schlimmer ist, daß dieser Zeh mit einer undefinierbaren schwarzen und stinkenden Masse über und über eingeschmiert ist. In dieser Schmiere muß der Koch so ziemlich alles verarbeitet haben, was er an Ekelhaftem finden konnte: Wagenschmiere, Fischpaste, faule Eier, Kaffeesatz, und was es sonst noch an Widerwärtigkeiten auf einem Schiff zu finden gibt. Aber es hilft nichts: Augen zu und durch.

Es gäbe die Möglichkeit, in einem solchen Moment einfach die Luft anzuhalten und die Sache schnell und schmerzlos hinter sich zu bringen. Nicht jedoch bei Thetis, die just in dem Moment, als sich das Gesicht dem Fuß nähert, den Zeh anhebt, um die klebrige Masse mitten ins Gesicht des Delinquenten zu drücken, und außerdem mit der Hand von oben nachdrückt, um ein Zurückweichen zu verhindern....