M/S Liebenfels

DDG Hansa Bremen
Juli 1967

Beim Tiefsee-Doktor

Nachdem alle Täuflinge die wenig erquickliche Huldigung an Thetis hinter sich gebracht und wieder ein wenig Luft geholt haben, zerrt man uns mehr oder weniger unsanft zur nächsten Station der Läuterung:

Der hämisch grinsende Tiefsee-Doktor (es ist der Purser/Verwalter) nimmt uns in Empfang. Genüsslich wetzt er sein grosses hölzernes Messer und ermutigt uns, nur keine Angst zu haben. Seine Behandlung, so meint er, habe noch in keinem Falle zum Tode des Patienten geführt!

Dann fährt der Tiefsee-Pastor sogleich mit salbungsvollen, beschwörenden Worten fort:


un müßt ihr noch, man wird's verstehn,
in ärztliche Behandlung gehn.
Hier, unser hochbegabter Mann wird euch gleich heilen, glaubt nur dran!

Ja meint ihr denn, ihr Bösewichte, ihr kämt vor Neptuns Angesichte,
mit euerm kränklichen Gebein? - Nein, Arztbehandlung, die muß sein!

So greift denn, großer Herr Magister, voll in die ärztlichen Register,
mit Salben, Pillen, Medizin, kriegt ihr die Leute sicher hin.
Denn all die weltlichen Bazillen sind nicht nach König Neptuns Willen.

Wohlan denn, hochbegabter Mann, nehmt jetzt die Sünder kräftig ran,
laßt tüchtig spritzen rotes Blut, und tuet Eure Sache gut!



Dieser Aufforderung kommt der Angesprochene umgehend nach und beginnt mit der ärztlichen Untersuchung der Täuflinge. Wie erwartet lautet die Diagnose, daß alle ohne Ausnahme von der heimtückischen "Nordhalbkugelkrankheit" geheilt werden müssen.
Er hat auch schon die passende Medizin parat: die Äquator-Pille. Es handelt sich um eine Art Knödel, der in Farbe, Geruch und Geschmack der Schmiere an Thetis' Fuß in nichts nachsteht. Nur - diesmal muß diese Masse geschluckt werden. Da dies verständlicherweise nicht so leicht fällt, drückt der Medizinmann auch kräftig mit dem Finger nach, bis auch der letzte Rest der Pille im Magen verschwunden ist. Danach sind wir Patienten offensichtlich geheilt, denn der so Gefürchtete läßt zunächst von uns ab. Und er tut gut daran, denn nun fordert der Magen sein Recht und versucht, das eben Aufgenommene schleunigst wieder los zu werden. Was ihm in den meisten Fällen auch gelingt...